Viele Unternehmen investieren in ein Resilienzseminar. Ist eine solche Investition sinnvoll?

Meine heutige Suchanfrage nach „Resilienz“ bei Google traf auf 1.750.000 Ergebnisse. Der Begriff hat Relevanz. Das Thema dahinter bewegt viele Menschen … jedenfalls dann, wenn Resilienz aufgrund unserer Lebensumstände gefragt ist. Wie mit Schmerzlosigkeit ist es auch mit psychischer Robustheit. Solange es uns gut geht, hinterfragen wir diesen Zustand nicht, genießen nicht das Wohlbefinden. Es ist einfach da.

 

„Wir fühlen den Schmerz, aber nicht die Schmerzlosigkeit;
wir fühlen die Sorge, aber nicht die Sorglosigkeit;
die Furcht, aber nicht die Sicherheit.“

Arthur Schopenhauer
(deutscher Philosoph, 1788 - 1860)

 

Das Leben verläuft nicht immer optimal, sondern setzt uns bisweilen kräftig zu – beruflich wie privat. Viele Menschen sind heute unter den „normalen“ Alltagsbedingungen gestresst, schlafen schlecht, fühlen sich getrieben und unglücklich. Ein positiver Blick auf sich selbst, auf die eigenen starken Seiten und Fähigkeiten scheint daher in der heutigen Zeit immer wichtiger zu werden. Und das klingt so einfach, ist es aber nicht.

Wenn Stressoren wie eigene Erkrankungen oder solche bei uns nahe stehenden Personen, Zeiten mit besonders hoher psychischer Belastung im privaten wie beruflichen Bereich sowie potenziell traumatisierende Ereignisse (z.B. Unfälle, Umgang mit Gewalt, Trauer) hinzukommen, wächst nach Angaben des Deutschen Resilienz Zentrums (DRZ,https://www.drz-mainz.de) auch das Risiko für psychische Störungen wie Depressionen oder Angsterkrankungen.
 

Wirken Stressoren immer ungünstig?

Nein. Permanent hohe Anforderungen z.B. durch chronisch intensiven Arbeitsdruck und diverse Veränderungen in der Arbeitswelt können frustrieren, demotivieren und unser Befinden stark beeinträchtigen. Diese Bedingungen können aber ebenso Anlass zu hoher Arbeitszufriedenheit und hoher Arbeitsmotivation sein. Dies hängt davon ab, wie Personen die Situation, mit der sie umgehen müssen, wahrnehmen, wie sie diese beurteilen und zu welchen Entscheidungen und Handlungen sie in der Folge greifen (Schlett et al., 2018).

Ganz vereinfacht kann man sagen: Ein Stressor ist erst dann ein Stressor, wenn er uns auch stresst. 🙂
 

Resilienz – was ist das?

Resilienz bezeichnet die Aufrechterhaltung bzw. rasche Wiederherstellung der psychischen Gesundheit während oder nach stressvollen Lebensumständen (Linz et al., 2019).

In turbulenten Zeiten schützt uns unsere persönliche Resilienz.

Nach Soucek et al. (2015) überwinden Menschen mit ausgeprägter Resilienz Herausforderungen und kritische Situationen, ohne dass ihre psychische Gesundheit Schaden nimmt. Selbst wenn diese Anforderungen noch zunehmen und neue hinzukommen, bleiben resiliente Menschen psychisch stark und leistungsfähig. Das klingt so, als wären diese Menschen Maschinen oder Roboter. Das sind sie nicht. Sie leiden in kritischen Phasen und fallen ebenso auf die Nase, wie alle anderen auch. Aber sie rappeln sich auf und schauen, was nun als nächstes getan oder probiert werden kann, um das aktuelle Befinden oder die Situation zu verbessern.
 

Resilientes Verhalten bei der Arbeit

Bei der Arbeit zeigt sich Resilienz als dynamischer Prozess erfolgreichen Umgangs mit schwierigen Situationen (Schlett et al., 2018). Dies können größere wie kleinere Schwierigkeiten innerhalb der Arbeitstätigkeit sein (z. B. langweilige oder überfordernde Tätigkeiten, plötzliche Veränderungen, häufige Misserfolge, langwierige Konflikte, häufige Störungen während der Arbeitstätigkeit, fehlende Anerkennung).

Merkmale resilienten Arbeitsverhaltens nach Soucek et al. (2015):

  1. erfolgreicher Umgang mit (insbesondere negativen) Emotionen,
  2. umfassende Betrachtung von Problemsituationen sowie umsichtige Abwägung von Lösungsmöglichkeiten,
  3. positive Umdeutung von Problemsituationen als Möglichkeiten, eigene Kompetenzen einzubringen, zu verbessern oder neue Kompetenzen zu erwerben und
  4. fokussierte Umsetzung durch geringe Ablenkbarkeit und hohe Ausdauer bei der Zielverfolgung.

katzenbilder
Das Betrachten von Katzenbildern entstresst und baut nachweislich negative Emotionen ab.
Bildquelle: Eigenes Foto.


 

Wie kann unsere Resilienz gefördert werden?

Bislang wurde Resilienz in der psychologischen Forschung eher als stabile personale Ressource verstanden. Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass Resilienz dynamisch ist und gezielt verbessert werden kann, z.B. durch Trainings bzw. Seminare (Linz et al. 2019).

Sie haben Interesse an einem Resilienzseminar?
Ihr Interesse und Ihre Vorstellungen teilen Sie mir gerne hier mit.
 

Literatur:

Helmreich, I., Kunzler A., Lieb, K. (2018). Resilienz: Die Widerstandskraft stärken. Physiopraxis. 2018, 4, 48-51.

Lee, J. H., Nam, S. K., Kim, A.-R., Kim, B., Lee, M. Y. & Lee, S. M. (2013). Resilience: A Meta-Analytic Approach. Journal of Counseling & Development, 91, 269–279.

Linz, S., Helmreich, I., Kunzler, A., Chmitorz, A., Lieb, K., Kubiak, T. (2019). Interventionen zur Resilienzförderung bei Erwachsenen - eine narrative Übersichtsarbeit. Psychother Psych Med., doi: 10.1055/a-0830-4745.

Schlett, Pauls & Soucek (2018). Der Einfluss von Resilienz auf qualitative Formen der Arbeitszufriedenheit. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 62 (4), 202-223.

Soucek, R., Pauls, N., Ziegler, M. & Schlett, C. (2015). Entwicklung eines Fragebogens zur Erfassung resilienten Verhaltens bei der Arbeit. Wirtschaftspsychologie, 17(4), 13-22.

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