Krise:
„Eine vorübergehende, massive Instabilität eines Individuums oder sozialen Systems,
die einer Unterstützung bedarf.“

(nach Stein 1996)

Mit einer »Krise« ist ein Ereignis gemeint, das potenziell traumatisierend ist, d. h. ein kurz oder lang anhaltendes Ereignis von außergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem Ausmaß, das nahezu bei jedem Menschen tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde (WHO, 2008). In solchen Situationen sind meist das eigene Leben, das Leben anderer oder die eigene bzw. fremde körperliche Unversehrtheit bedroht.

Unvorhergesehene Ereignisse wie ein schwerer Unfall, ein plötzlicher (Unfall-)Tod, ein Suizidversuch oder Suizid, Amok- und Gewaltdrohungen sowie Amok- und Gewalttaten treten im Arbeitsalltag immer wieder auf und erfordern besondere Maßnahmen der Prävention und Intervention, um die Handlungsfähigkeit der Organisation zu gewährleisten und eine gesundheitliche Schädigung von Mitgliedern der Organisation so weit wie möglich zu vermeiden.

In einer Krisensituation sind eine Vielzahl von Aufgaben und Problemen zum Teil in kurzer Zeit zu bewältigen, wobei Routine und Handlungssicherheit anders als im Alltag häufig nicht gegeben sind.

Die Verantwortung liegt bei der Leitung der Organisation, die von einem kompetenten und handlungsfähigen internen Krisenteam unterstützt wird.

Die Aufgaben des Krisenteams sind vielfältig und beziehen sich nicht nur auf die Unterstützung der Gemeinschaft im Fall einer akuten Krise und die Begleitung bei der Rückkehr in den Alltag (»Fürsorge und Nachsorge«), sondern auch auf die Prävention von Krisenereignissen und die strukturelle und inhaltliche Vorbereitung auf eine Krise (»Vorsorge«).

 

Ausbildung von betrieblichen Ersthelfer/innen (PEER-Teams)

Menschen machen in ihrem Berufsalltag immer wieder außergewöhnlich belastende Erfahrungen, wie z.B. das Miterleben von Unfällen, Suiziden, Konfrontation mit Gewalt, Tod von Kolleginnen oder Kollegen sowie massive Bedrohungen. Um nach einem solchen gravierenden Ereignis möglichen psychischen Beeinträchtigungen frühzeitig begegnen zu können, ist ein konkretes Unterstützungsangebot an die betroffenen Kolleginnen und Kollegen sinnvoll.

Für die Verarbeitung von traumatischen Ereignissen spielt die professionelle Betreuung in der Akutphase eine entscheidende Rolle. Neben der professionellen Betreuung durch psychosoziale Fachkräfte können kollegiale Ansprechpartner/innen (PEER’S *1) unterstützend eingesetzt werden. Die aktuelle Forschung zeigt, dass PEER’S, da sie selbst über ähnliche berufliche Erfahrung verfügen und ihre persönliche Sozialkompetenz durch verschiedene Schulungen im psychosozialen Bereich erweitert haben, einen besseren Zugang zu betroffenen Kolleginnen und Kollegen sowie eine breitere Akzeptanz erlangen.

PEER’S werden insbesondere in der Akutintervention eingesetzt. Sie findet als psychologische Erstbetreuung normalerweise innerhalb von 24 bis 72 Stunden nach dem kritischen Ereignis statt.

Das Ziel der Krisenintervention durch PEER’S ist die Stabilisierung der Betroffenen, die Hilfe zur Selbsthilfe sowie die Nutzung der unterstützenden Ressourcen im sozialen Netz der betroffenen Personen. Das Erlebte soll rasch verarbeitet und der Ausprägung von behandlungsbedürftigen Traumafolgestörungen, wie z.B. einer Posttraumatischen Belastungsstörung, vorgebeugt werden.

Weitere Ziele der PEER-Hilfe sind es, Sicherheit herzustellen, durch Gespräche zu helfen, Gedanken und Erinnerungen zu ordnen (Unterstützung, nicht Behandlung oder Therapie), über Extremstress und akute Belastungsreaktion zu informieren, bewältigende Ressourcen zu suchen (Bewältigung, nicht Heilung), Kontakte und Hilfen zu vermitteln und nach dem kritischen Ereignis eine Zeit lang Kontakt zu halten.

In der Akutphase unmittelbar nach einem gravierenden Krisenereignis sind PEER‘S zunächst die beste Lösung. Sie sind Kolleg/innen und kennen die Organisationsstruktur und -kultur.

Während es noch immer Hemmschwellen gibt, Psychologen, Psychotherapeuten oder Psychiater aufzusuchen, zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre, dass die PEER-Unterstützung von Kolleg/innen gut angenommen wird. Zudem fällt es Betroffenen meist leichter, sich einem Kollegen oder einer Kollegin anzuvertrauen, da sich diese aus ihrer Erfahrung heraus besser in die Betroffenen hineinversetzen können.
 

Mein Angebot:

Die Ausbildung von PEERS in Ihrer Organisation und Integration eines eigenen PEER-Systems

Um als Laie die Erstbetreuung übernehmen zu können, benötigen PEER’S eine Ausbildung sowie eine regelmäßige Qualifizierung. Die Ausbildung der PEER’S erfolgt nach den Standards in der betrieblichen psychologischen Erstbetreuung (bpE) bei traumatischen Ereignissen (DGUV Information 206-023).

Die Ausbildung umfasst

  • die Vermittlung des Basiswissens über psychische Belastungen,
  • ihre gesunde Bewältigung und
  • vor allem das Einüben von geeigneten Gesprächstechniken (die zur Klärung und ressourcenorientierten Strukturierung belastender Szenarien beitragen).
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    Sie sind interessiert an der Ausbildung von Peers in Ihrer Organisation? Ich freue mich auf Ihre Anfrage!
     
     

    Notfallpsychologie

    Weitere Informationen folgen in Kürze.

     
     
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    *1 PEER‘S (englisch: gleichrangig; bedeutet „Gleicher unter Gleichen“) sind nach dem Critical Incident Stress Management nach Jeffrey T. Mitchell ausgebildete Personen in Einsatzorganisationen, die Einsatzkräften helfen, psychisch belastende Einsätze und den Stress besser zu bewältigen und in der Folge das Erkrankungsrisiko an einer behandlungsbedürftigen Traumafolgestörung, wie z.B. einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zu senken.